der glashütte macher Eberhard wagemann

der glashütte macher Eberhard wagemann

markt intern Ausgabe 11.10.1994

Der GLASHÜTTE-Macher: Eberhart Wagemann

Eberhart Wagemann erfolgreichster deutscher Uhrenmanager, zu mindestens in der Öffentlichkeitsarbeit. Und dies ohne jeden Werbeetat! Zeitungen und Zeitschriften mit über 12 Mio Auflage haben in den vergangenen sechs Monaten über den Treuhand-Sanierer im sächsischen Müglitztal-Städtchen berichtet (unser Foto unten), wo seit 1845 Uhren hergestellt werden und 1878 die erste deutsche Uhrmacherschule entstand. Die Presse-Präsenz im redaktionellen Teil bedeutet, dass weit über 20 Mio Lesern die Erfolgsstory von der Rettung einer der letzten mechanischen Keimzellen der einheimischen Uhr nahegebracht wurde. Wagemann (42), Berliner Unternehmens- und Steuerberater, der zuvor den Ost-Berliner Fernsehturm erfolgreich privatisiert hatte, räumte in Sachsen auf:

Von einst 2.000 Mitarbeitern eines Kombinats, das heute unverkäufliche sozialistische Quartz-Massenware herstellte, blieben 70 Fachleute übrig, die innerhalb eines Jahres eine sensationell anmutende Modell-Palette schufen. Doch ehe es soweit war, ließ der Sanierer für sein Unternehmen kostenlose Öffentlichkeitsarbeit machen, was nur möglich war, weil sich der ‘Tag & Nacht-Gastgeber‘ in Sachsen als besessen von der Aufgabe präsentierte, den einzigen Herstellern deutscher Mechanik-Armbanduhren wieder zum Leben zu erwecken:

Stimmen dazu: ‘Die Welt‘ am 3. Sept.: „Eine expansive wirtschaftliche Neuorientierung und die Rückbesinnung auf feinste Qualität bestimmen die neue Geschäftspolitik“ ° ‘BZ‘/Berlin am 12. Sept.: „U(h)riger Erfolg für GLASHÜTTE – Berliner machte es möglich“  ‘manager magazin‘, 9/94: „Heute ist fast ein Mythos aus GLASHÜTTE geworden, Sinnbild und Hoffnungsträger eines verloren geglaubten Industriezweiges“ ° ‘Der Spiegel‘, 23/94: „Plötzlich standen die Investoren bei der Treuhand Schlange. Rund drei Dutzend Interessenten gibt es, mit fünft von ihnen wird nach Angaben der Berliner Anstalt ernsthaft verhandelt“ ° ‘Handelsblatt‘, 27./28. Aug.: „‘Deutsche ROLEX‘ aus dem Erzgebirge. Wagemanns Erfolgsrezept: Sanierung durch Marketing.“

‘mi‘ fragte den unkonventionellen Berliner Sanierer nach den Stationen seiner Glashütter Tätigkeit: „Zunächst galt es, den Betrieb auf Vordermann zu bringen. Sanierung heißt aber, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen. Ich habe kompromisslos gehandelt und den Leuten Qualitätsdenken brutal eingebleut. GLASHÜTTE hat nur Chancen mit eigenen Werken. Wo ‘GLASHÜTTE‘ draufsteht, ist auch ‘GLASHÜTTE‘ drin!“

Und hier ist die Mechanik-Pallette der Sachsen: 

  •  Automatik-Werk Kal 1.10-30
  • Damen-Handaufzug Kal 1.09-20
  • neues Chronographenwerk Kal 1.10-60 I eine Sensation und das erste seiner Art aus deutscher Produktion
  • neues Handaufzug-Chronometer-Werk Kal. 1.12-50
  • neues Handaufzug ohne Chronometer Kal. 1.12-50

Eine Frage, die für die Branche von großem Interesse ist: Was kommt nach Wagemann? Denn derBerliner hat nur bis zur Privatisierung des Betreibes einen Vertrag mit der Treuhand: „Ich bin wie ein Seemann und steuere dann wieder andere Häfen an. Glashütte war mein bisher härtester Auftrag.