Alkohol & Business: Die Rolle des Alkohols für Entrepreneure

Betrunken bei Vertragsunterzeichnung

„Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgebend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.“ Tacitus (im ersten Jahrhundert n. u. Z. in „Germania“ über unsere Vorfahren)

Tacitus’ Erkenntnis über die germanischen Stämme in allen Ehren: Schließen Sie bloß keine Geschäfte ab, wenn Sie betrunken sind. Oder besser noch: Verzichten Sie auf Alkohol (wenigstens im Business). Als High Performer/-in sollten Sie den Körper als Ihr höchstes Gut ansehen und Ihre Energien gezielt einsetzen – selbst wenn das manchen sehr schwerfällt.

Ein guter Wein zum Geschäftsessen, das Feierabendbier nach der Arbeit, die Betriebsfeier, die im Saufgelage endet: Rund um das Business ist der Alkohol ein ständiger Begleiter. Alkohol lockert die Stimmung auf, lädt zur „Entspannung“ ein, schafft ein gemeinsames (Rausch-)„Erlebnis“ und führt Geschäftspartner zusammen. Einerseits gibt es immer mehr fitte Topmanager, die morgens joggen und gesunde Ernährung im Unternehmen propagieren, andererseits gibt es im Business zahlreiche strategische Situationen, in denen (abgesehen von den üblichen Betriebsevents) gezielt Alkohol eingesetzt wird – insbesondere im Vertrieb und/oder mit Geschäftspartnern .

Alkohol & Business

Das trifft gleichermaßen im In- und Ausland zu: Wer beispielsweise Geschäfte mit russischen Partnern macht und sich als Abstinenzler outet, punktet dort nicht unbedingt. Ebenso wenig beliebt machen Sie sich, wenn Sie nach Vertragsabschluss mit Ihrem irischen Geschäftspartner im Pub ein Mineralwasser bestellen. Diese Beispiele lassen sich für viele Länder fortführen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Ausgerechnet dort, wo das Wort Alkohol seinen Ursprung hat (aus dem Antimonpulver „Al-Kuhl“ wurde „Al-Kuhul“), wird bei bzw. nach Vertragsabschluss lieber Tee serviert, als die Korken knallen zu lassen: in arabischen Ländern. Auch die Asiaten sind nicht als Trinker bekannt, da sehr viele von ihnen Alkohol schlichtweg nicht vertragen. Außerdem wollen sie ungern ihr Gesicht gegenüber dem ausländischen Geschäftspartner verlieren. So etwas wäre nach einer Flasche Rotwein der Fall.

Wie sollten wir als High Performer mit Alkohol umgehen und was genau macht er mit uns?

Ist Alkohol per se schädlich oder sollte man (wie in Frankreich üblich) zugunsten eines gesunden Herzens doch ein Glas Wein zum Essen trinken? Über diese Frage streitet sich die medizinische und naturheilkundliche Fachwelt. Gerne streite ich hier mit.

Die eine Seite: der „gut dosierte“ Alkoholkonsum

„Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot“

Ich beginne fairerweise mit den Pro-Alkohol-Stimmen aus der Wissenschaft. Dass (zu viel) Alkohol der Gesundheit schadet, ist eine Binsenweisheit. Aber für Menschen ab ca. 50 oder 60 Jahren wird in der Ernährungswissenschaft bzw. in hunderten repräsentativen Studien der regelmäßige Konsum von Alkohol in geringen Mengen von täglich zehn bis zwölf Gramm für Frauen und 20 bis 24 Gramm für Männer aufgrund seiner lebensverlängernden Wirkung einhellig empfohlen. Hintergrund hierfür ist laut Kofrányi und Wirths (Einführung in die Ernährungslehre, Umschau Verlag, Auflage von 2013, S. 60) und dem Bundesgesundheitsministerium (Alkoholkonsum und Krankheiten, 2010) folgendes Argument: „Der günstige Effekt moderaten Alkoholkonsums beruht […] wahrscheinlich auf einem positiven Einfluss auf die günstige HDL-Fraktion des Cholesterols, einer gesteigerten Fibrinolyse und einer Hemmung der Thrombozytenaggregation, wodurch die Blutgerinnungsneigung verringert wird. […] Zur Verminderung einer Alkoholabhängigkeit könnte es sinnvoll sein, mindestens einen Tag in der Woche keinen Alkohol zu trinken.“ Um das mit den Worten des Bestseller-Autors Bas Kast (Der Ernährungskompass. Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung, Bertelsmann, 2018, S. 60) auszudrücken:

„Kompletter Alkoholverzicht erhöht die Gefahr für einen Herzinfarkt um 30 Prozent. […] Moderater Alkoholkonsum erhöht darüber hinaus die Insulinempfindlichkeit und senkt das Diabetesrisiko.“ Für Frauen wird laut Kast mit gut dosiertem Alkohol sogar das Brustkrebsrisiko gesenkt, wenn dazu folsäurehaltige Lebensmittel (Brokkoli, Spargel, Linsen etc.) verzehrt werden.

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Das alles klingt für Wein-, Bier- und Schnapsliebhaber verlockend. Mit wissenschaftlichem Rückenwind bewegt man sich schneller in die Kneipe oder zum Kühlschrank, um sich ein paar Feierabendbiere oder einige „gemütliche“ Gläser Wein zu genehmigen. Genau hier wird es gefährlich, denn die Dosis macht’s: Wer über das empfohlene Maß an Alkohol hinausgeht, bekommt den erwähnten Studien zufolge den gegenteiligen Effekt zu spüren und wird zudem alkoholabhängig. Sollte man also besser ganz auf Alkohol verzichten?

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Die andere Seite: der bedenkliche Alkoholkonsum

Hangover im Seniorenheim

Es gibt auf der naturheilkundlichen Seite Stimmen, die sich zu 100 Prozent gegen Alkoholkonsum aussprechen – ganz gleich ob man über 50 Jahre alt ist oder nicht. Dr. Ulrich Strunz spricht davon, dass bereits ein Glas Rotwein das Hochleistungsmineral Magnesium für die nächsten drei Tage aus dem Körper schwemmt und dadurch unser Energiehaushalt rapide nach unten geht. Gestützt wird diese Annahme durch eine Studie, bei der 140 Probanden zwischen 60 und 86 Jahren aufgrund ihres (auch geringen) Alkoholkonsums unter nächtlichen Wadenkrämpfen litten. Diese sind bekanntlich auf Magnesiummangel zurückzuführen.

Magnesium sorgt zudem für innere Ruhe und Gelassenheit. Es ist unter anderem für über 330 essenzielle enzymatische Prozesse in unserem Körper verantwortlich. Mit Alkohol bringen Sie also Chaos in diese Prozesse. Ist das nicht ein überzeugendes Argument gegen den angeblichen „Sanitäter in der Not“? Falls nein, dann lesen Sie weiter.

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Das Risiko eines übermäßigen Alkoholkonsums und Histaminunverträglichkeit

Over the edge

Trinkt eine Frau pro Tag mehr als 40 Gramm reinen Alkohol bzw. ein Mann mehr als 50 Gramm, spricht die World Health Organization (WHO) von einem hochriskanten Konsum, der unweigerlich zur Alkoholabhängigkeit führt. Wird regelmäßig Alkohol (Wein, Sekt, Bier) konsumiert, gewöhnt sich die Leber an das Zellgift. Der geschwächten Leber fehlt die Vitalkraft. Sie wird dermaßen zerstört, dass sie nach Jahren ihren Dienst versagt. In der Naturheilkunde heißt es: Eine durch Alkohol überforderte Leber äußert sich in Müdigkeit, depressiven Verstimmungen, Burnout-Syndrom – also alles Anzeichen von Erschöpfung und innerer Kraftlosigkeit. Bei Histaminunverträglichkeit verstärkt sich das Problem mit dem Alkoholkonsum. Histamin kann ein problematischer Botenstoff sein, wenn es um alkoholische Getränke geht, die einen längeren Gärprozess haben. Rotwein hat einen bis zu 100-fach höheren Histamingehalt als Weißwein. Selbst alkoholfreie Weine und Biere besitzen – ebenso wie manch andere vergorene, fermentierte oder durch Reifungsprozesse veredelte Lebensmittel (z. B. Sauerkraut, Salami oder gereifter Hartkäse) – eine hohe Histaminkonzentration. Wer mehr darüber lesen möchte, dem/der empfehle ich eine Seite der Schweizerischen Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz  zum Thema.

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Histamin ist ein wichtiger biologischer Botenstoff, der im Körper unterschiedliche Funktionen erfüllt. So regt er die Magensaftsekretion an, erweitert die Blutgefäße und senkt somit den Blutdruck. Als Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) reguliert Histamin unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Appetit, die Lernfähigkeit, das Gedächtnis und die Emotionen.

Die physischen Gründe des Alkoholtrinkens

Der Geist aus der Flasche

Wer immer wieder Alkohol trinkt, macht das, um sich zu entspannen und um in eine „andere“ Stimmung zu kommen. Geringe Mengen Alkohol wirken in der Regel entspannend und stimmungssteigernd, Angstgefühle werden gedämpft. Mit höherer Promillezahl kann diese positive Stimmung unvermittelt in Gereiztheit und Aggression umschlagen. Da die Wirkung von Alkohol schleichend zunimmt, merken Betroffene diesen Prozess meist gar nicht. Wenn wir das bereits wissen, warum trinken wir dann?

Häufiger Anlass ist die Suche nach einem Hilfsmittel für die Bewältigung des Arbeitsalltags – eine mangelhafte Work-Life-Balance. Nicht ohne Grund spricht man vom „Feierabendbierchen“ oder trinkt den Cocktail auf der „After-Work-Party“, um in eine andere, vermeintlich heile Welt einzutauchen. Sobald weitere Gründe (persönliche Probleme) hinzukommen, treffen sie auf dieses tückische Bewältigungsmuster und verstärken den Alkoholkonsum. Im Ernstfall kann es zu Alkoholismus kommen, der mit kleinen, regelmäßigen Dosen beginnt und dann in schwere Abhängigkeit und den damit verbundenen sozialen Abstieg mündet. Möchten Sie heimlich jeden Morgen zittrig an der Flasche hängen bzw. Ihre „gute Laune“ erst nach ein paar großen Schluck Bier, Wein oder Schnaps spüren? Brauchen Sie im Meeting einen Alkohol-Booster? Deshalb: Lassen Sie diesen Geist besser in der Flasche! Sonst werden Sie selbst zur Flasche – beruflich und privat.

Machen Sie sich bewusst, dass Alkohol ein Energiefresser ist und Sie sich auch ohne Feierabendbier entspannen können. Gehen Sie an die Ursache des Verlangens und verbessern Sie Ihre Work-Life-Balance. Arbeiten Sie täglich an Ihren positiven Energien und nehmen Sie sich genug Zeit für sich selbst. Sie werden ausgeglichener und haben viel mehr Energie, um Großes zu schaffen. Dadurch senken Sie (wenn Sie über 50 bis 60 Jahre alt sind) viel besser Ihr Herzinfarktrisiko als mit einem Glas Wein, wie es von den Alkoholbefürwortern propagiert wird. Brechen Sie Gewohnheiten und Muster auf. Wenn Sie diese Nuss knacken, dann wartet im Kern eine schöne Überraschung auf Sie! Sie werden energetischer und fühlen sich topfit.

Trinken, bis die Abmahnung kommt: Alkoholsucht als Kündigungsgrund

Kommt ein/-e Arbeitnehmer/-in dem Therapieangebot für Alkoholsucht nicht nach bzw. wird er/sie nach der Therapie rückfällig und erscheint (wiederholt) alkoholisiert bei der Arbeit, so kann das zu Abmahnungen bzw. zur Kündigung führen. Alkohol am Arbeitsplatz ist gefährlich und geschäftsschädigend. Laut arbeitsrecht.org sieht das Bundesarbeitsgericht (BAG) „in ständiger Rechtssprechung eine Alkoholerkrankung als krankheitsbedingten Kündigungsgrund an.“ Damit handele es sich um eine „personenbedingte und nicht um eine verhaltensbedingte Kündigung, wenn ein Arbeitnehmer alkoholkrank ist“ (siehe auch das auf der Seite beschriebene Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (LAG) vom 17.05.2010, Az. 5 Sa 1072/09).

High Performer benötigen keinen Alkohol

Bringen Sie Ihr erfolgreiches Business nach Hause

Geht Ihnen das alles zu schnell, um sich ganz vom Alkohol zu verabschieden und eine neue Ebene der mentalen sowie körperlichen Fitness zu erreichen? Wenn Sie noch nicht darauf verzichten können, sollten Sie abends nach dem Alkoholkonsum viel Wasser trinken und (hochwertiges) Magnesium zu sich nehmen, um über Nacht etwas zu entgiften. Das hilft ein wenig.

Für diejenigen, die beruflich und privat über sich hinauswachsen wollen, kann meine Empfehlung nur lauten: Weniger ist mehr und null Alkohol ist (nicht nur) für High Performer am besten. Wenn Sie von Ihren Geschäftspartnern zur großen Sause eingeladen werden, dann beweisen Sie ihnen einfach, dass Sie auch ohne Alkohol lustig und entspannt sein können.

Sie brauchen keine Bier-Flatrate bzw. keinen Wodka, um gemeinsam auf dem Tisch zu tanzen oder in der Karaoke-Bar lautstark die größten Hits von sich zu geben. Bei harten Wodkatrinkern haben Sie ohnehin keine Chance, mitzuhalten. Und auch in irischen Pubs beherrschen die Einheimischen das Um-die-Wette-Trinken sicher besser als Sie. Also: Bleiben Sie (nicht nur dann) abstinent, wenn es darauf ankommt. Dann fahren Sie Ihre Geschäftspartner nach Hause. Diese werden es Ihnen danken!

Die besten Drogen sind Ihre körpereigenen Glückshormone. Zeigen Sie Ihren ausländischen Geschäftspartnern, dass Sie als „Teutone“ oder „Teutonin“ nicht so leicht zu besiegen sind, wie es Tacitus in „Germania“ beschreibt. Ganz im Gegenteil: Als High Performer/-in meistern Sie abstinent Situationen in allen Lebenslagen und behalten am Ende der Party sogar Ihren Führerschein. Wenn Sie Ihre Gewohnheiten (Stichwort Klebstoff) in Frage stellen und Ihre Grenzen (nüchtern) überschreiten, können Sie nur gewinnen!

Alkohol & Business

Herzliche alkoholfreie Grüße

 Ihr  Eberhard Wagemann 

1 Kommentar

  1. Hallo Eberhard, vielen Dank für Deinen sehr motivierenden Beitrag. Gerade in wärmeren, südlichen Ländern wird viel Wein getrunken. Aufgrund des Klimas auch besser vertragen und schon wird aus einer netten Gewohnheit, schlechter Klebstoff. Ich fühle mich auf jeden Fall viel besser ohne Wein am Abend, dennoch muss ich gegen diese klebstoff Gewohnheit sehr ankämpfen, da der Wein bei uns im Haus ist. Naja und ein Glas ist ja auch nicht so viel…

    Dein Beitrag kam gerade zur richtigen Zeit mich noch mehr zu motivieren.

    Herzliche Grüsse

    Claudia

    Antworten

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